Annette Siragusano

Global Head of Content Strategy & Cross Channel Campaign Management bei Engel & Völkers
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„Um Karriere habe ich mir nie Gedanken gemacht.“

Annette Siragusano ist Global Head of Content Strategy & Cross Channel Campaign Management bei Engel & Völkers. Zuvor war sie 12 Jahre Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der comdirect und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung Rechnen. Vorher war Annette als Leiterin Marketing und PR beim Immobiliendienstleister Planethome tätig. Im Gespräch mit PRCC-Geschäftsführer Thomas Lüdeke erzählt sie, warum Fähigkeiten wichtiger sind als die Position, dass Widerstand sie herausfordert und warum sie für Schwarmintelligenz schwärmt.

Auf LinkedIn schreibst Du in Deinem Abschiedspost, dass sich die Unternehmenskommunikation in Deiner Zeit als Kommunikationschefin bei comdirect neu erfunden hat. Welche Prioritäten hast Du gesetzt, um diesen Wandel erfolgreich zu meistern und was nimmst Du aus Deiner Zeit bei comdirect mit?

Während meiner Zeit bei comdirect haben sich der Markt und die Wirtschaftslage sehr verändert. Zum einen haben neue Wettbewerber, wie Start-ups und FinTechs, eine ganz andere Dynamik in die Branche getragen. Zum anderen haben wir es heute mit einem völlig veränderten Kundenverhalten zu tun. Die Digitalisierung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen – heute ist alles „mobile“. Das führt dazu, dass Kommunikation sich ändern musste und auch weiterhin muss. Man kann heute nicht mehr so kommunizieren, wie das noch vor Jahren der Fall war.

Kurzfristige Reaktionen und flexible Strukturen sind notwendig, um den veränderten Rahmenbedingungen und der Geschwindigkeit gerecht zu werden. Die Herausforderung besteht darin, täglich Themen und Strategie anzupassen und ein fein abgestimmtes Set-Up aus den richtigen Skills, Ressourcen und Maßnahmen aufzubauen.

Nach 12 Jahren hast Du das Institut letztes Jahr verlassen. Ab welchem Punkt entscheidet man sich, eine andere Herausforderung anzugehen?

Wenn ein Case spannend genug ist und Dich der Gestaltungsspielraum reizt. Ich sage immer: „Eine gute Führungskraft ist die, die sich überflüssig macht.“ Wenn man mit dem Team an einem Punkt angekommen ist, wo alles rund läuft, dann ist für mich ein guter Zeitpunkt gekommen, über eine neue Herausforderung nachzudenken.

Was bedeutet Karriere für Dich?

Ehrlicherweise habe ich mir nie Gedanken um Karriere gemacht. Mir ist es wichtig, kontinuierlich zu lernen, Neues zu entdecken und mich gefordert zu fühlen. Meiner Meinung nach wird es in Zukunft weniger um die klassischen Karrierelevels gehen, als vielmehr um die Frage, welche Skills man braucht, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Wie stelle ich mich flexibel auf Veränderungen ein? Ich achte darauf, mich regelmäßig mit neuen Themen und Herausforderungen zu beschäftigen.

Während meiner Zeit bei comdirect habe ich zum Beispiel die Unternehmenskommunikation neu strukturiert, die Initiative Finanzheldinnen mitgegründet, bin in die Stiftung Rechnen miteingestiegen und habe Fiuse mitaufgebaut. Für mich sind Gestaltungsfreiheit und der Ausbau des eigenen Portfolios elementar wichtige Themen für Karriere.

Aus welchem Misserfolg hast Du am meisten gelernt – und was?

Manchmal entwickeln sich Dinge nicht in der gewünschten Geschwindigkeit. Das Sprichwort: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ trifft es ganz gut. Es ist zwar wichtig, dass man Themen kontinuierlich vorantreibt, aber manchmal brauchen Dinge mehr Zeit und man muss auch mal einen Umweg gehen. Als Führungskraft kann man nicht alles planen, sondern muss sich ein Stück weit auf Veränderungen einstellen. Die Herausforderung für Führungskräfte ist sicherlich der gekonnte Umgang mit der Ungewissheit.

Wo liegt für die Kommunikation in den nächsten drei Jahren die größte Herausforderung? Ist es der Umgang mit Corona oder etwas anderes?

Die größte Herausforderung liegt darin, in einem komplexen Umfeld ein nachhaltiges Arbeiten auf hohem Level zu gewährleisten. Da sich einzelne Kanäle nicht mehr scharf voneinander trennen lassen, werden wir in Zukunft immer stärker kanalübergreifend kommunizieren müssen. Ein stark verändertes Nutzungsverhalten verlangt eine passgenaue Strategie. Diese muss berücksichtigen, welche Themen über welche Kanäle an welche Zielgruppe gespielt werden. Führungskräfte müssen es schaffen, ein Team aufzubauen, welches sich fachlich und persönlich auf diese Herausforderungen einlässt. Dabei sollte das Augenmerk trotz steigendem Workload auch auf einer ausgewogenen Work-Life-Balance liegen.

Wie willst Du als Führungskraft diese Herausforderung meistern?

Ich glaube, dass es für die heutigen Herausforderungen eine andere Art von Führung braucht. Das Befähigen von Mitarbeitern rückt stärker in den Mittelpunkt, sowie eine Zusammenstellung von crossfunktionalen Teams. Dafür braucht es Menschen, die mehrere Themen verstehen und gemeinsam umsetzen können. Die Zeiten, in denen nur einzelne Bereiche verantwortet werden – zum Beispiel interne oder externe Kommunikation – sind vorbei.

Führungskräfte müssen Verantwortung abgeben und sich eingestehen, dass sie nicht mehr der Experte für alle Themen sein können. Ich bin der Überzeugung, dass gute Führung den Mitarbeitern einen Rahmen und auch Strategie aufzeigt, ihnen aber zugleich Freiheiten zur eigenen Entwicklung für eigene Ideen lässt. So baut man als Führungskraft ein fantastisches Team auf.

In Zeiten von Agilität und New Work: Braucht es heutzutage überhaupt noch Führungskräfte? Und was müssen die können?

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Bitte ergänzen: Wenn ich Widerstände erlebe, bin ich…

…erstmal nachdenklich, weil ich mir überlege, wo die Widerstände herkommen. Was denkt der andere gerade und warum konnte ich ihn nicht mitnehmen? Dann bin ich wahrscheinlich angefixt, die Person von meiner Idee zu begeistern. Vielleicht gebe ich aber auch mal nach – je nachdem wie gut das Argument ist.

Worauf suchst Du immer noch eine Antwort?

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Warum machst Du bei der Modern-Leaders-Initiative mit?

Mich reizt es, spannende Menschen kennenzulernen und mit ihnen über Zukunftsthemen zu diskutieren. Vor uns liegen noch viele Herausforderungen und ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass Schwarmintelligenz eine wertvolle Sache ist. Gemeinsam kann man eben viel mehr erreichen. Je mehr wir uns austauschen und voneinander lernen, desto besser werden wir am Ende selbst sein.