Baha Jamous

Vice President Marketing & Communications bei Solarisbank
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„Je eher man seine Fehler machen darf, umso besser ist das für die eigene Karriere.“

Baha Jamous ist Vice President Marketing & Communications bei der Solarisbank, einem Berliner Fintech-Unternehmen. In seinem vorherigen Job bei der Hapimag hat er als Mitglied der Geschäftsleitung Marketing, Unternehmenskommunikation, Neukundengeschäft und strategische Projekte verantwortet. Davor war er unter anderem als Associate Director bei Hering Schuppener tätig. Im Gespräch mit Thomas Lüdeke, PRCC-Geschäftsführer, erzählt er, warum er in seiner Karriere manchmal das Gefühl hatte, auf einer Achterbahn zu fahren, was uns der Umgang mit Technologie und datengetriebener Kommunikation lehrt und warum er auch schon mal ein Meeting zweckentfremdet.

Baha, Du bist Vice President Marketing & Communications bei der Solarisbank. Was sind Deine Ziele, Deine Aufgaben, was tust Du so den ganzen Tag?

Meine Aufgaben in der Unternehmenskommunikation und im Marketing lassen sich gut in drei Bereiche untergliedern. Das eine ist das Reputationsmanagement, verbunden mit dem Ziel, die Marke der Solarisbank zu prägen, zu schützen und weiterzuentwickeln. Zum anderen haben wir einen starken Vertriebsfokus und sind Serviceabteilung für unser Sales-Team. Hier ist das Ziel, unsere Kollegen mit Materialien, Events und Kampagnen zur Leadgenerierung zu unterstützen. Der dritte Bereich ist die interne Kommunikation oder die People-Sparte. Dazu gehören klassische Leadership Positionierungsthemen, Mitarbeiterkommunikation, Kulturwandel, Transformations- und Organisationsentwicklung.

Du bist 31 und hast in Deinem vorherigen Job bei der Hapimag als Mitglied der Geschäftsleitung unter anderem Marketing und Unternehmenskommunikation verantwortet. Gab es Momente in Deiner Karriere, in denen du gedacht hast: „Wow, das geht jetzt aber ganz schön schnell?“

Es gab sicherlich viele dieser Momente. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich in jungen Jahren bereits diese Chancen und das Vertrauen bekommen habe. Zwischendurch hatte ich schon das Gefühl, auf einer Achterbahn zu sitzen: immer mehr Verantwortung, neue Bereiche und Herausforderungen, mit denen Führungskräfte eigentlich erst nach Jahren konfrontiert werden.

All diese Dinge kamen innerhalb von Wochen und Monaten auf mich zu, und das in einem Unternehmen, welches in einer großen Transformation steckte. Diese Geschwindigkeit hat mich ganz schön herausgefordert. Ich habe in dem Prozess meine Grenzen kennengelernt. Diese Erfahrung wünsche ich jeder jungen Führungskraft, denn es erdet und zeigt auf, an welchen Stellen man noch an sich arbeiten kann und muss. Je eher man seine Fehler machen darf, umso besser ist das für die eigene Karriere.

Dein Track Record kann sich sehen lassen. Welche Rolle haben Glück und Zufall in Deinem Berufsleben gespielt?

Glück und Zufall gehören einfach dazu. Ich hatte das große Glück, immer auf Chefs oder Mentoren als Wegbegleiter zu treffen, die mich gefördert haben. Das ist nicht selbstverständlich. Bereits bei meinem ersten Praktikum im Sächsischen Landtag hatte ich einen Chef, der mir viel zugetraut und mich weiterempfohlen hat. Bis heute sind mir immer wieder Menschen begegnet, die mich gefördert haben, auch wenn es nicht direkt in ihrem eigenen Interesse lag. Ich habe bei meinen Karriereschritten viel davon profitiert, die richtigen Leute zur richtigen Zeit kennengelernt zu haben.

Was bedeutet Karriere für Dich? Höher, schneller, weiter?

Hättest Du mich vor ein paar Jahren gefragt, hätte ich geantwortet: „So schnell wie möglich, so hoch wie möglich.“ Heute sehe ich das etwas anders. Mir geht es bei Karriere mittlerweile weniger um Geschwindigkeit, und mehr um die richtige Balance auf dem Weg zum Ziel. Da ist es völlig okay, sich auch mal bewusst für einen Schritt zur Seite oder einen Schritt zurück zu entscheiden, um wieder Anlauf zu nehmen.

Um herauszufinden, wo man hin möchte, sollte man sich zu Beginn der Karriere möglichst breit aufstellen und viel Erfahrung sammeln. Ich habe schon in den unterschiedlichsten Bereichen gearbeitet: in der Politik, im Verband, in der Beratung, im Unternehmen, im Start-up, im Ausland und im Inland. So konnte ich auch schnell lernen, was ich nicht möchte und letztendlich meinen Karriereweg zielgerichteter gestalten.

Aus welchem Misserfolg hast Du am meisten gelernt – und was?

Als Führungskraft muss man lernen, was es bedeutet, zu verlieren und aus seinen Schwächen Stärken zu entwickeln. Wenn man Fortschritte in der persönlichen Weiterentwicklung macht, ist Scheitern für mich nicht zwingend ein etwas Schlechtes. Das wäre es in meinen Augen nur dann, wenn ich aus dem Erlebten nichts gelernt hätte.

Wo liegt für die Kommunikation in den nächsten drei Jahren die größte Herausforderung? Ist es der Umgang mit Corona oder etwas anderes?

Die aktuelle Corona-Situation ist lediglich eine temporäre Erscheinung ist. Wir werden erst im Rückblick beurteilen können, ob und welche nachhaltigen gesellschaftlichen Veränderungen die Pandemie bewirkt hat. Ich glaube die größte Herausforderung, vor der wir stehen — Kommunikatoren genauso wie alle anderen — ist der technologische Fortschritt. In welchem Maß ist Technologie ein Ersatz (von Arbeitsleistung) und wo ist sie nur Mittel zum Zweck?

Wenn wir heute über die Zukunft von Kommunikation sprechen, geht es meist um künstliche Intelligenz, Algorithmen und datengetriebener Kommunikation. Das sind alles wichtige Themen, die sich im Kern jedoch nur um die Frage drehen, wie wir effizienter kommunizieren. Stattdessen sollten wir darüber sprechen, was in einer digitalen, datengetriebenen und automatisierten Welt noch den Unterschied machen kann. Und da geht es um Kommunikation – um Kreativität, Empathie und auch um Fehlbarkeit. Corona zeigt uns auch die Grenzen einer zunehmenden digitale Kommunikation. Mein Wunsch ist, dass wir aus dieser Zeit lernen und das genuin Menschliche in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen.

Wie willst Du als Führungskraft diese Herausforderung meistern?

Man muss immer wieder Momente schaffen, in denen das Team aus dem beruflichen Alltag ausbrechen kann. Dazu gehört auch bewusste Prokrastination. Ich habe schon häufiger Meetings zweckentfremdet und anstatt über das festgelegte Thema einfach mal über Gott und die Welt gesprochen. Das ist gesund und häufig entstehen neue, spannenden Ideen. Mein Job als Führungskraft ist es, das Zwischenmenschliche zu fördern. Dass muss auch mal unabhängig vom beruflichen Kontext gehen.

In Zeiten von Agilität und New Work: Braucht es heutzutage überhaupt noch Führungskräfte?

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Bitte ergänzen: Wenn ich Widerstände erlebe, bin ich…

…herausgefordert (lacht).

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Warum machst Du bei der Modern-Leaders-Initiative mit?

Ich glaube, dass wir das Konzept von Führung überdenken müssen. Zu oft wird heute noch beim Thema Führung an „Top-down“ und Hierarchie gedacht. Es braucht ein neues Verständnis. Letztlich brauchen Führungskräfte drei zentrale Eigenschaften: Leidenschaft, Empathie und kritische Selbstreflexion. Ich hoffe als Teil dieser Initiative einen Hebel zu finden und mitzugestalten zu können, mit dem wir diese beiden Aspekte mehr in unseren Führungsalltag integrieren können.