Byung-Hun Park

Vice President Corporate Communications bei Viessmann
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„Alles was man möchte, liegt außerhalb der eigenen Komfortzone. 

Byung-Hun Park ist Vice President Corporate Communications bei Viessmann, einem Entwickler und Hersteller von integrierten Klima- und Energielösungen. Davor war er Senior Vice President Global Corporate Communications & Marketing bei der Software AG und als Berater bei Hering Schuppener Consulting und Burson-Marsteller tätig. Im Gespräch mit PRCC-Geschäftsführer Philip Müller erzählt  „Huni”, warum er Glück mit seinem CEO hatdass man Probleme nicht mir der Lupe vergrößern sollte und warum die Zeit der Deutschland-AG vorüber ist.  

Huni, Du bist bei Viessmann für die Kommunikation verantwortlich. Was sind Deine Ziele, Deine Aufgaben, was tust Du so den ganzen Tag?  

Im Moment unterhält sich alle Welt über „digitale Transformation und KulturwandelMeine Aufgabe bei Viessmann ist es, dafür zu sorgen, dass diese „Buzzwords“ auch tatsächlich gelebt werden. Dazu gehört zum Beispiel, die Werte eines Familienunternehmens herauszuarbeiten und zu definieren, warum Purpose wichtig ist. Oder den Kulturwandel mit Transparenz, Co-Kreation und Empowerment zu füllen.  

Manch einer mag sich fragen, wie man das Thema Heizung digitalisieren kann. Wir bewegen uns aber auf einem viel größeren Spektrum. Bei uns geht es darum, ganze Lebensräume für zukünftige Generationen zu gestalten. Das ist sowohl intern wie extern eine massive Kommunikationsaufgabe: Zum einen geht es darum, deutsche Industriegeschichte mitzuschreiben und zum anderen unsere 12.300 Familienmitglieder und Führungskräfte mitzunehmen.  

Dein CEO Max Viessmann treibt die Transformation des erfolgreichen Familienunternehmens mit hoher Geschwindigkeit voran und scheint selbst gut kommunizieren zu können. Welchen Mehrwert kannst Du als professioneller Kommunikator mit Deinem Team bieten? 

Wir erleben zurzeit einen Wandel von Hardware zu Software, von B2B zu B2C und der Pool unserer Wettbewerber weitet sich durch unser wachsendes Produktportfolio ausMax Viessmann ist jemand, der diesen Wandel mit großeKnow-how und mit Blick auf die Zukunft vorantreibt. Gerade im Hinblick auf die Energiewende zeichnet sich unsere Branche durch ein sehr spannendes Umfeld aus.  

Da ist Kultur ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil. Wenn man jemanden an der Spitze des Unternehmens hat, der um die Bedeutung und Wichtigkeit von Kommunikation, Transparenz und Menschen im Unternehmen weiß, dann hat das einen großen, positiven Effekt. Meine Aufgabe ist es, zusammen mit meinem CEO die Unternehmenskultur zu prägen, Inspirationen zu geben und Werte wie Mut und Spaß zu vermitteln.  

Dein Track Record kann sich sehen lassen. Welche Rolle haben Glück und Zufall in Deinem Berufsleben gespielt? 

Ich glaube es ist eine Kombination von Glück und Zufall auf der einen Seite, und Mut zu Entscheidungen auf der anderen. Natürlich kann man Dinge wie Herkunft nicht beeinflussen. Wenn wir mal überlegen, über was wir uns den ganzen Tag aufregen und das mit anderen Teilen der Welt vergleichen, dann haben wir hier alle „First World Problems“. Da empfinde ich schon sehr viel Dankbarkeit, dass wir hier so gute Voraussetzungen haben. Wenn man allerdings vor einer Gabelung steht, gehört schon eine große Portion Mut dazu, sich für einen bestimmten Weg zu entscheiden.  

Was bedeutet Karriere für Dich? Höher, schneller, weiter? 

In der Kommunikation geht es beim Thema Karriere sicherlich um den “Impact”, den man auf den Unternehmenserfolg hat. Also um die Frage: Was kann ich beeinflussen? Wenn man Change in einem Unternehmen mitgestalten will, muss man in erster Linie den Wandel selbst verkörpern und mit gutem Beispiel vorangehen. Karriere baut für mich sehr stark auf zwischenmenschlichen Beziehungen auf.  

Ich finde es enorm wichtig, in der Kommunikation nicht alles glatt zu bügeln, sondern ehrlich und authentisch zu sprechenSich immer von der perfekten Seite zu zeigen, schafft keine Sympathie. Be the change you want to see – diese Aussage macht klar, was mich antreibtKarriere ist für mich dann erfüllend, wenn ich eine Position gefunden habe, in der ich diesen Change mitgestalten kann und diese Rolle auch wertgeschätzt wird  

Muss man für beruflichen Erfolg Opfer bringen? Welche? 

Ich glaube, dass diese Denkweise falsch ist. Ständig aufzuwiegen, was gebe ich rein und was bekomme ich raus – das ist nur sehr schwer zu messen und irgendjemand zieht den Kürzeren. Persönlich identifiziere ich mich stark mit meinem Job, gleichzeitig macht er mir aber auch viel SpaßIch empfinde es als Privileg, gemeinsam mit Max und dem Führungsteam Dinge im Unternehmen zu gestalten.  

Klassische Opfer in unserer Branche sind sicherlich die ständige Erreichbarkeit, immer online und sofort zur Stelle sein, wenn der Schuh drückt. Ich empfinde dies aber nicht als Last, sondern als Teil meines Jobs und sogar meiner Persönlichkeit. Wenn man die Lupe auf Probleme legt, werden diese größer. Das passiert aber genauso gut mit Chancen und Opportunitäten. Ich bin kein Fan davon, Opfer und Erfolg miteinander in Verbindung zu bringen und lege die Lupe lieber auf das Positive. 

Aus welchem Misserfolg hast Du am meisten gelernt – und was? 

Misserfolge gibt es natürlich en masse, zum Beispiel wenn man der Meinung istdie eigene Arbeit kommt gut anund am Ende fällt das Feedback doch weniger euphorisch aus. Das ist schon ein Misserfolg. Wichtig ist es, damit professionell umzugehenschnell daraus zu lernen und auch mal etwas anderes auszuprobieren. Man sollten nicht in die Falle tappen, in der man Fehler wiederholt oder zu tiefgehend analysiert, sondern sich stattdessen auf Dinge fokussieren, die gut laufen und die eigenen Stärken weiter ausbauen.   

Wo liegt für die Kommunikation in den nächsten drei Jahren die größte Herausforderung? Ist es der Umgang mit Corona oder etwas anderes? 

Corona hat gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit sich Dinge ändern können und wie wichtig es ist, flexibel mit Veränderungen umzugehen. Eine der großen Herausforderungen für die Kommunikation ist die Umsetzung und Nutzung von Bewegtbildformaten. Junge Leute konsumieren Medien und Nachrichten häufig über Videoformate und Livebild: Insta-Stories, Insta-Reels, TikTok oder auch Facebook-Stories. Das ist nicht adäquat in der Unternehmenskommunikation widergespiegelt. In meinen Augen sind wir hier oft zu langsam, obwohl wir sehen, was es draußen für Trends gibt.

Wie willst Du als Führungskraft diese Herausforderung meistern? 

In vielen Unternehmen wird die Echtzeitkommunikation, die in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen wird, maßlos unterschätzt. Zunächst muss man sich erstmal mit der Veränderung beschäftigen und vor allem auch Lust auf Echtzeitkommunikation und Bewegtbild haben. Die Zusammenstellung des richtigen Teams ist für die Bewältigung der Aufgabe essenziellIch habe folgendes gelernt: „Nobody is perfect – but a team can be.“ Die kokreative Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen und auch das Vorleben der Veränderung sind wesentliche Komponenten.  

Zudem müssen sich Unternehmen fragen, wie sie kommunizieren. Eine andere Tonalität, ein Perspektivwechsel, Inspiration und vor allem Spaß können da schon den Unterschied machen. Ich habe gelernt, dass in den meisten Unternehmen großartige Geschichten liegen, die nur an die Oberfläche gebracht und mit Themen draußen verknüpft werden müssen.  

In Zeiten von Agilität und New Work: Braucht es heutzutage überhaupt noch Führungskräfte? Und was müssen die können? 

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Bitte ergänzen: Wenn ich Widerstände erlebe, bin ich 

Erstmal sauer (lacht). Nein, dann suche ich nach den GründenEs gibt Widerstände, die sind fachlich begründet. Da muss man auch mal zu einem Richtungswechsel stehen. Es gibt aber auch Widerstände, die politisch motiviert sind. Hier muss tief nach den Gründen geforscht werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit einer sachlichen Argumentation im Sinne des Unternehmens viele Probleme lösen kann.  

Worauf suchst Du immer noch eine Antwort? 

Wann gehen Dinge viral und wann nicht? Wie kreiert man Viralität? Das ist doch eigentlich das Non-Plus-Ultra für alle Kommunikatoren. Derjenige, der die Antwort darauf hat, wird Multimillionär.  

Warum machst Du bei der ModernLeadersInitiative mit? 

Erstmal ist es eine tolle Initiative, die von euch, als modernem Führungsteam, mit großer Glaubwürdigkeit vorangetrieben wird. Ich habe auf vielen Netzwerk-Veranstaltungen die Erfahrung gemacht, dass man immer wieder die gleichen Leute sieht und keine echte Ko-Kreation entstehtWir hatten lange Zeit eine Welt, die auf Hierarchie gebaut hat und stark „top-down“ geprägt war. Deutschland AG“ und „Wer kennt wen – so wurde Karriere gemacht.  

Dieses Konstrukt ist nicht mehr zeitgemäß. Heute geht es darum, einen Führungsstil zu leben, der modern istEine Führung, die auf Vertrauen und Mut basiert und auf Augenhöhe stattfindet. Folgender Spruch hat mich beeindruckt: „Alles waman möchte, liegt außerhalb der eigenen Komfortzone.“ Das ist meine Motivation, bei der Initiative mitzumachen und den modernen Führungsstil auch zu verkörpern