Eike Kraft

Global Head of Marketing & Communications bei Roland Berger
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„Es braucht Leidenschaft und Leidensfähigkeit“

Eike Alexander Kraft ist Global Head of Marketing & Communications bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Davor war er als Vice President Marketing & Communications Central Europe bei Accor tätig. Seine ersten 12 Berufsjahre hat er bei der Luftwaffe verbracht, dort war er für Public Affairs und Medienarbeit zuständig. Im Gespräch mit PRCC-Geschäftsführer Philip Müller erzählt er, wie er damit umgeht, dass der Tag nur 24 Stunden hat, warum er die Bedeutung guter Chefs schon mal unterschätzt hat und weshalb er lieber 500 starke Kommunikator:innen im Unternehmen hat als nur eine(n).

Eike, Du verantwortest das globale Marketing und die weltweite Unternehmenskommunikation bei Roland Berger. Was sind Deine Ziele, Deine Aufgaben, was tust Du so den ganzen Tag?  

Unsere Aufgabe ist es, die Beratung in ihrem globalen Wachstum zu unterstützen und bei der Geschäftsakquise zu helfen. Natürlich gehört zu unserer Arbeit auch die Positionierung unserer Marke in der Öffentlichkeit, vor allem in Verbindung mit smarten Themen, die in Zukunft die Gesellschaft und Wirtschaft bewegen.  

Hast Du Dich bewusst für Positionen in unterschiedliche Branchen entschieden?

Ich glaube nicht daran, dass man sein Leben lang in der gleichen Branche verbringen muss. Die Kommunikationsaufgaben, die sich in den verschiedenen Bereichen stellen, sind durchaus ähnlich. Es wäre ein bisschen übertrieben zu sagen, dass ich mir die Positionen bewusst ausgesucht habe. Ich glaube, da gehört eine gehörige Portion Glück dazu, den richtigen Menschen zur richtigen Zeit zu treffen. Bei einem neuen Job suche ich mir aber bewusst aus, welche Aufgabe sich stellt und für welche Person ich arbeite. Damit bin ich bislang immer sehr gut gefahren.  

Was bedeutet Karriere für Dich? Höher, schneller, weiter? 

Ich würde sagen, mein Verständnis von Karriere hat sich über die Zeit verändert. Frisch von der Uni wollte ich die ganze Welt umarmen, das war schon nach dem Motto:  höher, schneller, weiter. Seitdem meine eigene Familie hinzugekommen ist, habe ich erkannt, dass das Leben noch anderes zu bieten hat. So war das zumindest bei mir. Die Sinnfrage – oder der berühmte Purpose  ist mittlerweile sehr entscheidend für mich. Es geht nicht mehr darum, wann der nächste tolle Titel mit mehr Geld um die Ecke kommt, sondern es stehen andere Werte im Fokus: Mit Menschen auf gleicher Wellenlänge zu sein, etwas Gutes für die Organisation und Branche zu bewirken und nah an den wichtigen Entscheidungen und Themen zu sein. 

Muss man für beruflichen Erfolg Opfer bringen? Welche?

Das würde ich schon sagenNatürlich kann man die Entscheidung treffen, einen Nine-tofive-Job zu machen und viel Freizeit zu habenWenn du aber weitergehst und wohlmöglich auch Sprünge durch Branchen machst, die sehr anstrengend sind  gerade in der Anfangszeit musst Du Dich in jeder neuen Branche und jedem Unternehmen neu verdienen  dann bedeutet das ein hohes zeitliches Investment. Der Tag hat nur 24 Stunden und irgendwo musst Du am Ende kürzen. Ganz ohne eine gewisse Leidenschaft  und damit verbunden auch Leidensfähigkeit – kriegt man das nicht hin.  

Aus welchem Misserfolg hast Du am meisten gelernt – und was? 

Für mich gibt es keinen konkreten Schlüsselmoment, sondern eher eine Reihe von Fehlern, aus denen ich viel gelernt habe – oft in der Führung und Interaktion mit Menschen. Aus professioneller Sicht gab es einige Situationen, zum Beispiel mit Journalisten, die ich heute anderes handhaben würde oder ein Thema, das ich in der Retrospektive anders aufbereitet hätte. Was ich in Summe daraus gelernt habe, ist einen guten Mix anzustreben – aus Mut und Risiko auf der einen Seite und Geduld und Vertrauen auf der anderen Seite.   

Für mich ist es sehr wichtig, eine starke Fehlerkultur zu haben und zu lebenHierzulande ist das immer noch ein heißes Thema und im Vergleich zu anderen Kulturen, bekommen wir es noch nicht so gut hin  wir suchen ja immer nach dem Schuldigen. Ich bin der Überzeugung, dass wir nur durch eine gute Fehlerkultur besser werden – als Team und als Person.  

In Zeiten von Agilität und New Work: Braucht es heutzutage überhaupt noch Führungskräfte? Und was müssen die können? 

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Wo liegt für die Kommunikation in den nächsten drei Jahren die größte Herausforderung? Ist es der Umgang mit Corona oder etwas anderes? 

Corona wirkt als Verstärker und Beschleuniger der notwendigen Transformation unserer Job-Profile und Arbeitsweisen. Das virtuelle Arbeiten, eine verringerte Aufmerksamkeitsspanne des Managements wegen der wirtschaftlichen Krise und weiter sinkende Budgets erfordern, dass wir die Veränderung jetzt mit Nachdruck angehen. Gefragt sind integriert aufgestellte 360 Grad-Skill-Sets unter Auflösung der klassischen Expertise-Silos. Statt schicker Räume ist eine echte Integration aller kommunizierenden Funktionen gefragt. Der Fokus liegt auf dem Mindset für die Zusammenarbeit, grundlegend überdachten Prozessen und die richtigen Tools zur integrierten Planung und Kollaboration.

Wie willst Du als Führungskraft diese Herausforderung meistern? 

Kommunikation hat sich in den vergangenen Jahren massiv geändert. Während Kommunikatoren früher oft als „Kontrollettis“ verschrien warengeht es heute bei der Führung in der Kommunikation mehr um eine Moderatoren- und Enabler-Funktion. Kommunikation funktioniert im Dialog und eine Führungskraft muss in der Lage sein, mit dem Kommunikationsteam die gesamte Firmenmannschaft sprechfähig zu machen. Damit meine ich nicht, dass wir alle Messages aufschreiben, sondern dass wir die Kolleginnen und Kollegen befähigen, authentisch zu kommunizieren und dialogfähig zu sein. Mir ist es lieber, wir haben 500 starke Kommunikatoren, die für uns sprechen, als dass ich als Pressesprecher das Monopol auf Kommunikation habe  

Bitte ergänzen: Wenn ich Widerstände erlebe, bin ich… 

noch mehr darauf bedachtmeine Ziele zu verfolgen. Ich beschäftige mich stark mit dem Thema Change und da sind Widerstände vorprogrammiert. Ich glaube, man muss mit jedem Widerstand anders umgehen. Oft empfinde ich Widerstand von oben als positive „Reibung“. Ich habe selten einen Chef erlebt, der gesagt hat: „Alles was du machst ist super.“ Gerade wenn man eine neue Art und Weise der Arbeit einführen möchte, muss man sehr für die Akzeptanz im Unternehmen kämpfen. Widerstände aus dem Team empfinde ich oft als aufreibender, denn es gehört viel Kraft und Empathie dazu, die Menschen von einem bestimmten Weg zu überzeugen. Sich im hektischen Alltag die Zeit für diese wiederholten Gespräche zu nehmen ist anstrengend.

Worauf suchst Du immer noch eine Antwort? 

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Warum machst Du bei der ModernLeadersInitiative mit? 

Ich stelle fest, dass es eine neue Bewegung von Leuten in unserer Branche gibt, die Dinge anders angehen: vernetzter, integrierter, mit einem anderen Stil von Führung. Führungskräfte haben heute viele Change-Themen vor der Nase, da kann man Sparringspartner gut gebrauchen. Die Selbstüberprüfung ist mit Peers deutlich leichter durchzuführen als allein. Ich finde es klasse, dass wir uns durch eure Initiative vernetzen und freue mich darauf, die Anderen kennenzulernen. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam gute Ideen entwickeln werden und uns nicht nur als Gruppe weiterentwickeln, sondern vielleicht auch neue Ideen in die Branche tragen