Newsrooms: Herr Harrer, Herr Garrels – was bringt das Ganze?

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Modernes Kommunikationsmanagement braucht einen Newsroom. Dieser Eindruck entsteht angesichts der Aufmerksamkeit, die das Phänomen seit einiger Zeit erfährt. Doch stimmt das? Eine subjektive Bestandsaufnahme.

Was macht einen Newsroom aus?

Legt man das Modell von Christoph Moss zugrunde, auf dem die Newsrooms in einigen deutschen Kommunikationsabteilungen basieren, braucht es vor allem: einen Fokus auf Themen, eine Trennung von Themen und Kanälen, einen Chef vom Dienst, ein Großraumbüro sowie geregelte Abläufe inkl. regelmäßiger Konferenzen.

Nützlich in der Theorie…

Einen Effekt hatten Newsrooms bisher unbestritten: Sie sorgten für Aufmerksamkeit in der Branchenöffentlichkeit – in Form von massenhafter Medienberichterstattung und von Besuchen in die neuen Kommandozentralen der Kommunikation, die an Pilgerfahrten erinnern.

So schmeichelhaft das für die Initiatoren und Betreiber ist; die primären Effekte, die man sich von einem Newsroom verspricht, lauten Konvergenz und damit Effizienz und Effektivität. Ob diese Ziele erreicht werden, ist auch rund zwei Jahre nach dem Start der Newsroomwelle nicht wissenschaftlich erwiesen – schlicht, weil es noch nicht auf breiter empirischer Basis untersucht wurde.

…und in der Praxis?

Was es jedoch gibt, sind Erfahrungen derer, die den Schritt gewagt und ihre Kommunikationsabteilungen umgebaut haben. Wir haben zwei Newsroom-Praktiker befragt:

„Ein Newsroom ist nicht zuletzt ein gedankliches Grundprinzip, was vernetzte Zusammenarbeit angeht. Es funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter es verstehen und annehmen. Die Umsetzung ist dabei äußerst individuell –„one size fits all“ gibt es hier nicht. Eine kritische Größe sollte man jedoch mitbringen. Bei uns beim ADAC klappt das sehr gut. Aber mit zwei, drei Leuten ist ein Newsroom relativ sinnbefreit.“

Christian Garrels, Director Brand Management, Marketing & Communications, ADAC

 

„Wir haben vor rund vier Monaten die Pressestelle und die Interne Kommunikation zusammengelegt. Schon jetzt sorgt das für Synergien. Eine Botschaft adäquat an alle Zielgruppen zu senden – das funktioniert nun tatsächlich merklich besser. Mein Tipp für die Umsetzung: Nehmen sie sich Zeit, nehmen Sie die Beschäftigten mit, binden Sie sie ein.“

Jürgen Harrer, Leiter Unternehmenskommunikation, Fraport AG

 

Was bedeutet das für Kompetenzen & Karriere?
Klar ist: Ein Themenmanager muss vor allem inhaltlich fit sein und schreiben können, ein guter Kanalverantwortlicher kennt sich mit der Distribution durch Technologie aus. Journalistische Kompetenzen erleben nicht zuletzt in Form des Chefs vom Dienst (CvD) eine Renaissance.

Aber ein Newsroom stellt keine gravierend anderen Anforderungen an Mitarbeiter, als es der maßgeblich durch Digitalisierung und New-Work-Spirit getriebene Wandel in der Kommunikation ohnehin tut: Mitarbeiter müssen zugleich breit und spitz qualifiziert sein, es braucht spezialisierte Generalisten, die interdisziplinär an Ihresgleichen andocken können. Flexibilität ist der Schlüssel zum Erfolg, für Individuen, Abteilungen und Organisationen.

Das Thema „Karriere“ ist im Newsroom, wie im gesamten New-Work-Kontext, nicht trivial, etwa: Was ist der nächste Schritt für den ambitionierten Themenmanager? Neue Bewertungsmodelle und Karrierepfade sind nötig, im Einklang mit Betriebsrat und Tarifvertrag. Ein Patentrezept dafür gibt es nicht, Unternehmen müssen hier einen eigenen Weg finden. Mehr dazu gerne im persönlichen Gespräch: philip.mueller@prcc-personal.de.

Direkter Kontakt
Susanne Riedel
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