„Demokratie ist kein Zuschauersport“ – Ruprecht Polenz auf dem PRCC-Sommerfest 2019

Kühle Drinks, hochkarätige Gäste, Netzwerken bis in die Nacht – davon bot das diesjährige PRCC-Sommerfest im September mehr als genug. Als Highlight gab es Kommunikationstipps von einem Politikveteranen, der aktuell in beinahe jeder Twitter-Timeline zu finden ist.

Manch einer entdeckt die digitale Kommunikation spät für sich, ist dann aber um so erfolgreicher. Bestes Beispiel ist Ruprecht Polenz: Der 73-jährige ehemalige MdB und frühere CDU-Generalsekretär ist erst seit wenigen Monaten auf Twitter aktiv – und hat bereits über 26.000 Follower, nicht wenige seiner Tweets erreichen ein Millionenpublikum. Grund genug für die PRCC-Geschäftsführer Philip Müller und Thomas Lüdeke, den Politikveteranen als Redner auf ihr Sommerfest einzuladen.

Zum Twitterstar durch Tweet mit Brief

„Keiner verlässt Twitter mit exakt der gleichen Meinung, wie er es geöffnet hat“, antwortete Ruprecht Polenz auf die Eingangsfrage, warum er in den sozialen Medien derart aktiv sei – und spielte damit auf das bekannte Politiker-Bonmot an, dass kein Gesetz den Bundestag so verlasse, wie es eingebracht werde. „Ich möchte, dass andere Menschen wichtig finden, was ich wichtig finde“. Dafür müsse man dort präsent sein, wo die Menschen sind – und das seien heutzutage eben nicht zuletzt Twitter und Facebook.

An den sozialen Medien schätze Polenz, dass man auf einen Schlag zehntausende Menschen erreichen und mit Ihnen in den Dialog treten könne – während man „auf Veranstaltungen oft froh ist, wenn 60 Leute kommen“. Die Beschränkung auf 280 Zeichen bei Twitter sieht er ambivalent: „Sie zwingt einen dazu, die eigenen Gedanken auf den Punkt zu bringen. Das ist gut.“. Die Verknappung sorge aber auch dafür, dass der Ton teilweise rauer wirke als intendiert und dass Argumente oft nicht in der notwendigen Länge ausgerollt werden könnten. Bei seinem wohl bekanntesten Tweet, seiner Replik auf das Rezo-Video, behalf sich Polenz, indem er einen offenen, mehrseitigen Brief an seinen Tweet anhängte. Die sich daraus ergebende digitale Debatte trug Ruprecht Polenz in die Timelines der Republik – und in die klassischen Medien (Spiegel, Der Tagesspiegel)

(Wo) sollten Unternehmen Haltung zeigen?

Ob zu Rezo, in Umweltfragen oder zum Thema Extremismus – Polenz zeigt auf Twitter Haltung. Häufig nimmt er polemische Äußerungen ins Visier und kontert sie mit Fakten. Mit den Gästen auf dem PRCC-Sommerfest – rund 60 Persönlichkeiten aus Kommunikation und Marketing – diskutierte er darüber, ob Unternehmen sich eine derart klare Positionierung und offene Kommunikation ebenfalls erlauben können und sollten.

Auch hier hat Polenz eine klare, durch die politische Arbeit geprägte Meinung: „Demokratie ist kein Zuschauersport!“ Ihn befremde es, wenn Unternehmensverantwortliche in öffentliche Debatten mit ihrer Position hinterm Berg hielten – und sich gleichzeitig darüber beklagten, dass die Politik sich nicht ausreichend für ihre Interessen einsetzen. Als Beispiel nannte er die Debatte über das Freihandelsabkommen zwischen Deutschland und den U.S.A.: „Wenn man im Unternehmen der Überzeugung ist, dass der freie Handel richtig und wichtig ist, dann darf man das durchaus auch in der Öffentlichkeit sagen – auch wenn es Gegenwind gibt.“ Das heiße nicht, dass sich CEOs und Kommunikationsverantwortliche zu allem und jeden in der Öffentlichkeit äußern sollten. Aber zu dem, was „im eigene Kompetenz- und Interessensbereich“ liege – darüber dürfe und solle man durchaus Stellung beziehen.

 

Im Verlauf der Diskussion wurden viele weitere spannende Themen diskutiert. Beim anschließenden Get-together wirkten die Impulse des Redners nach. „Herr Polenz hat besser verstanden, wie digitale Kommunikation funktioniert, als manch 40 Jahre jüngerer Kollege“, so einer der Gäste.

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